FK AUSTRIA WIEN - APOLLOM LIMASSOL 1:2 (1:1) 
KLEIN 41’ bzw. MARKOVIC 14’ GAKPE 50’
Auch am Tag danach sitzt der Frust sehr tief. Drei Pflichtspiele, drei Niederlagen. In der Liga ohne Punkt, im Europacup kurz vor dem Ausscheiden. Aber man muss aufpassen und nicht sofort drauflosschimpfen, sondern versuchen alles richtig einzuordnen. Der Ligastart wurde komplett verbockt. Die Auslosung ist zwar sehr undankbar mit dem Aufsteiger auswärts und dem wohl gerade zweitstärksten Team in Österreich daheim. Aber die Leistung war halt auch dementsprechend. Gegen Limassol war sie in der ersten Halbzeit besser, noch lange nicht gut, aber man war mehr wie auf Augenhöhe und hatte sogar die besseren Möglichkeiten. Im zweiten Durchgang ging es dann aber wieder richtig bergab. Dass alles richtig einteilen zu können, fällt schwer, bei aller Emotionen für die Wiener Austria. Doch beleuchten wir mal das Spiel selbst.
Coach Ilzer stellte um, es war eigentlich kein 4-4-2 mehr, sondern eher ein 4-3-2-1. Lucic stand wieder im Kasten. Klein und Martschinko waren die Außenverteidiger und Flügelspieler, innen verteidigten Jarjue und Madl. Man hatte im Prinzip drei Sechser mit Jeggo, Ebner und Serbest. Davor agierten Grünwald mit Prokop und Edomwonyi, der wohl als Solospitze am Anfang agierte. Viel mehr ist im Kader aber auch nicht drinnen, da es schon wieder so viele Verletzte gibt. Das könnte man auch mal hinterfragen. Doch die Partie startete gut. Der Wille, der Kampf, die Leidenschaft war da. Die Genauigkeit, die Idee und das Umsetzen eher weniger. Trotzdem schaffte man es drei gute Chancen zu kreieren. Gleich zu Beginn setzte sich Edomwonyi auf der Seite durch, sein Stangl Pass fand Grünwald in der Box, doch er scheiterte aus kurzer Distanz am Torhüter. Bei der zweiten Grünwald Chance kam der Ball von der anderen Seite, der Ball hüpfte ihn aber auf das Schienbein und er ging knapp an der Stange vorbei. Es folgte noch ein Prokop Schuss, der knapp drüber ging. Die einzige wirkliche gute Chance für Limassol war der Elfmeter nach einem Handspiel von Jarjue, das in meine Augen Diskussionswürdig ist. Doch Markovic verwandelte den Elfer souverän. Wenn man selbst schon große Probleme hat, kommt auch oft noch der Schiedsrichter ins Spiel. Ein klares Foul an Madl nach einer Ecke pfiff er nicht, doch ein weiteres Handspiel sah er und so konnte Klein per Elfmeter in der 41. Minute ausgleichen.
In der Pause war man noch optimistisch. Man war etwas besser und Limassol war nicht wirklich gefährlich. Das änderte sich in Halbzeit 2 aber ganz schnell. Ein Konter mit zwei simplen Pässen hebelte die komplette Austria aus, Gakpe war schneller wie Jarjue und er überlupfte Lucic und traf per Innenlatte zum 1:2. Danach wirkte die Austria wieder komplett verunsichert, machte viele Fehler, spielte nur mehr mit hohen Bällen, wo überhaupt keine Gefahr mehr entstand. Bis auf einen Grünwald Kopfball, der aber vom Tormann ohne größere Probleme entschärft wurde, gab es keine nennenswerte Aktion mehr. Zwischen der 62. Und 74. Minute wurde Limassol dann brandgefährlich. Dreimal tauchten sie vor Lucic auf, dieser konnte aber in höchster Not noch retten. An unseren Tormann lag es nicht, obwohl seine Ausschüsse genau so sind wie die Pässe seiner Mitspieler. Dann holte sich Madl in der Nachspielzeit noch die Gelb Rote Karte ab und es fehlt noch ein Defensiver beim Rückspiel. Somit musste man die nächste Niederlage hinnehmen.
Die erste Halbzeit war OK – die Zweite war wieder zum vergessen. Die Spieler wirken allesamt gehemmt und gelähmt. Es gibt viel zu wenig Bewegung mit und ohne den Ball. Die Reaktion auf einen weiten Pass kommt bei jedem Spieler gefühlt eine Sekunde zu spät. Es wird erst gelaufen, wenn der Ball schon die halbe Strecke hinter sich hat. Ein Florian Klein, der sowieso schon lange seiner Normalform hinterherläuft, war Defensiv gar nicht mal so schlecht, rettete das ein oder andere Mal als letzter Mann, aber er kann kein Spiel gestalten. Das gleiche gilt für Martschinko, der zwar aus allen langen Schießen wollte, aber meist war es schon abgepfiffen oder sein Schuss ging irgendwo hin. Die Außenverteidiger sollten auch die Flügelposition einnehmen, da ist es natürlich sehr schlecht, wenn beide einen sehr miesen Offensivauftritt haben. Dadurch wirbelte man oft in der Zentrale, wo es aber an der Genauigkeit und an der Assoziation scheitert. Ein Serbest ist ein Schatten seiner selbst, ein Prokop und ein Grünwald sind oft überfordert, ein Ebner kämpft was er kann, ist aber auch qualitativ im Spielaufbau limitiert und vorne, egal wer spielt, die hängen einfach in der Luft und rennen oft lange und hohe Bälle hinterher. Es fehlt an Kreativität, an Mut und an der Organisation, das muss man ehrlich so sagen.
Doch noch ist alles reparabel! In der Liga sind doch erst zwei Runden gespielt und es folgen Mattersburg, Admira und Hartberg – da sollte schon was möglich sein, wenn wir unsere Form wiederbekommen. Mit einem kleinen Fußballwunder kann man in Zypern vielleicht sogar noch was machen, dazu müsste aber die Defensive stabil werden und vorne müsste man sich auch gewaltig steigern. Schaut man auf dem Kader, stellt man fest, dass Ilzer gerade nicht viel Wahl hat. Ein Turgeman, der in meine Augen der beste Stürmer bei uns ist und wenn fit, sicher dazu fähig, 8-10 Tore zu schießen, ein Max Sax, ein Cavlan, der in Innsbruck toll gespielt hat, ein Borkovic, auch ein Schoissengeyr machen da schon noch Hoffnung. Ein Ebner sollte jetzt nicht auch noch ausfallen. Außerdem habe ich noch Hoffnung, dass der neue Mann aus Amerika, Verteidiger Palmer, uns doch noch helfen kann. Klar, es sind keine Überkicker, aber, wenn man einen Sturm hat mit einen fitten Turgeman und Sax, dahinter einen Grünwald, der Unterstützung von der Seite von Cavlan erhält, dann kann die Qualität wieder reichen, die anderen Mittelständer zu besiegen. Nur eben sind die selten Fit. An Trainer Ilzer glaube ich noch immer, nur er muss gleich zu Beginn zeigen, dass er ein verdammt guter Trainer ist, dass er hier und jetzt das Ruder rumreißt. Sollten wir gegen Mattersburg, Admira und Hartberg nicht ordentlich punkten, dazu noch aus dem Europacup ausscheiden, dann sieht es sehr mies aus. Denn es folgen dann erst die Kaliber mit dem Derby, Red Bull, Sturm und Co. Und wir brauchen unbedingt Selbstvertrauen. Dass sie es können, hat die Vorbereitung gezeigt, denn da wurde teilweise schon richtig gut gespielt. Aber anscheinend haben wir nicht genug Qualität im Kader um mit dem Druck umgehen zu können. Vielleicht kann Stöger noch was am Spielersektor machen, auch wenn so gut wie kein Geld vorhanden ist. Noch können wir das Ruder herumreißen, aber es wird immer schwerer und so langsam aber sicher sollten wir in die richtige Richtung kurbeln, am besten gleich am Sonntag in Mattersburg, sonst kann das eine noch finstere Saison werden, wie die Letzten davor. Ein kleiner Hoffnungsschimmer und Restoptimismus ist aber noch vorhanden.
FORZA VIOLA aus Salzburg