INTERVIEW MIT ALEXANDER GRÜNWALD

26.10.2012

 

Nach einer etwas längeren Schaffenspause der Lungauer Veilchen gab es nun wieder einmal eine neue Interviewzeit. Der Nationalfeiertag wurde genützt um ein verlängertes Wien Wochenende einzulegen und diese Chance nützte man, um Alexander Grünwald und auch Franz Gruber zu interviewen. Da durch den Feiertag das Viola Pub geschlossen hatte, fuhr uns Alex Grünwald in seinem Auto zum Mc Donalds runter, wo er uns dann auf eine Runde beim Mc Cafe einlud und geduldig (mit einen Keks) die Fragen der LV beantwortete. Hier das Interview mit unserer Nummer 10:

 

Lungauer Veilchen: 9 ½ Jahre Austria Wien mit 3 Jahre Unterbrechung bei Wiener Neustadt. Wie würdest du deine violette Zeit bis jetzt resümieren?

Alexander Grünwald: Bis jetzt erfolgreich. Ich bin mit 13 Jahren zur Austria gekommen und war sehr stolz, dass ich hier spielen kann. Anfangs war es nicht einfach mit den vielen Verletzungen, die ich hatte, aber ich habe mich bis zur Kampfmannschaft hoch gekämpft und bin froh, dass ich über den Weg Wiener Neustadt wieder hier sein kann und bin sehr stolz bei so einem großen Verein zu spielen.

LV: Wie lief das ab, wenn man als 13 jähriger von BNZ Kärnten von der Austria geholt wird?

Ich habe in Kärnten bei der BNZ schon in den älteren Jahrgängen gespielt, deshalb hat mich die Austria auch schon gekannt. Die meisten anderen Spieler mussten eine Aufnahmeprüfung machen, da mich die Austria eben schon kannte, viel das für mich weg. Als ich dann die Akademie sah, war mir klar, das ich unbedingt hier her will und das konnte ich dann auch.

LV: War der Schritt nach Wiener Neustadt damals genau das Richtige für dich?

Im Nachhinein war es der richtige Schritt für mich. In Wiener Neustadt habe ich mich gegen viele ältere Spieler durchsetzen müssen. Ich bin als „Bua“ weggegangen und als Mann wieder zur Austria gekommen.

LV: Die Konkurrenz auf deiner Position ist sehr stark besetzt bei der Austria. Wie fühlt man sich als ein sehr guter Spieler, der kein Stammleiberl hat und bist du mit der aktuellen Situation unzufrieden?

Zufrieden bin ich mit der aktuellen Situation natürlich nicht. Ich habe schon die Ambition mit meiner Qualität bei der Austria in der Stammelf zu sein. Es ist natürlich auch nicht leicht auf der Bank zu sitzen, aber das ist eben gerade eine Phase, wo man durchbeißen und an sich arbeiten muss. Ich muss eben meine Schwächen ausmerzen. Mein Ziel ist es natürlich auf längere Zeit, dass ich eine Stammkraft in der Mannschaft bin.

LV: Du hast in deiner Neustadt Zeit einmal gesagt, dass du viel besser Freistoß schießen kannst, wenn du im Training eine Mauer bekommen würdest, waren die Trainingsbedienungen in Neustadt so schlimm? Bzw. Bist du mit den Trainingsmöglichkeiten bei der Austria zufrieden?

Hier bei der Austria sind die Trainingsbedienung ideal, von A bis Z wird hier alles erfüllt, man bekommt wirklich alles, was man für das Training braucht. In Wiener Neustadt hatten wir lange keine Mauer beim Training, man musste sich immer vorstellen, wo die Mauer steht und dann schießen. Nachdem wir eine Mauer verlangt haben, kam dann auch eine und dann konnten wir im Training einen Freistoß viel besser üben. Gleich eine Woche darauf habe ich mein erstes Freistoßtor geschossen und das war kein Zufall (grinst).

LV: Wie war es damals, bei einem komplett neugegründeten Verein zu spielen?

Am Anfang war die Situation schon sehr merkwürdig, da alle Spieler im Verein neu waren und wirklich jeder die gleiche Situation hatte, was es sonst im Fussball eigentlich nicht gibt. Am Anfang habe ich mich schon gefragt, ob es der richtige Schritt für mich war, weil die Austria bessere Bedienungen hatte, obwohl wir in Neustadt alles bekommen haben, was benötigt wurde. Nach einen Jahr reifte dann eine Mannschaft und es entstand ein Gefüge.

LV: Siehst du dich als echten Austrianer oder bist du eher ein Angestellter der Austria?

Ich finde schon, dass ich ein echter Austrianer bin, weil ich schon so lange hier bin. Ich kam mit 13 Jahren zur Austria, hab die komplette Jugend durchlaufen, mich bis zur Kampfmannschaft hoch gekämpft, deshalb ist die Austria für mich schon mehr als ein Verein. Und als Spieler muss man schon sehr stolz sein, bei so einem großen Verein wie der Austria spielen zu dürfen, denn dafür gehört schon etwas mehr dazu.

LV: Einen Meistertitel in der Ersten Liga hast du bereits, wird es langsam Zeit für den ersten Bundesligameistertitel?

Natürlich (lacht). Insgeheim haben wir schon letztes Jahr auf dem Titel spekuliert. Wir haben Qualität den Teller zu holen. Mit einem Ersten Liga Titel gebe ich mich nicht zufrieden und will so schnell wie möglich den Teller in den Favoritner Himmel strecken.

LV: Die Austria spielt mit fast demselben Kader wie im Frühjahr, aber derzeit viel attraktiver und erfolgreicher, woran liegt das?

Ich weiß schon worauf du hinaus willst (grinst) aber alles auf eine Person abzuwälzen ist nicht richtig. Wir haben nicht das gespielt, was wir können im Frühjahr und ich will mich damit nicht mehr beschäftigen. Es kam im Sommer ein neuer Trainer mit einer neuen Philosophie, der hat unsere Fehler angesprochen und den Zusammenhalt gestärkt. Jetzt beißt und kämpft jeder wieder zum jeden Zentimeter und das bis zur letzten Sekunde. Was man nicht vergessen darf, im Winter haben uns wichtige Spieler verlassen, das Mannschaftsgefüge wurde geändert und wenn es dann nicht läuft, dann läuft es einfach nicht. Wir konnten unser Potenzial nicht 100% abrufen, weil einfach das Selbstvertrauen gefehlt hat.

LV: Wie läuft ein normaler Arbeitstag eines Profifussballers bei der Austria ab?

Es ist ein Unterschied zwischen der Vorbereitungsphase und einer Matchvorbereitung. In einer normalen Woche, wenn man am Wochenende spielt, steht man in Früh auf, der eine früher der andere später. Ich steh immer so um 10 Uhr auf, kombiniere dann das Frühstück und das Mittagessen. Danach bereite ich mich mit gewissen Übungen auf das Training vor, oder lasse mich massieren. Dann kommt das Training, danach wird die Körperhygiene erledigt und dann ist es meistens schon am Abend. Ab und zu geht man am Abend dann noch ins Kino oder geht etwas essen.

LV: Dein Vertrag läuft bis Sommer 2014. Willst du danach zu einem anderen Klub, ins Ausland oder könntest du dir momentan auch vorstellen, bei der Austria zu verlängern?

Über das mache ich mir noch keine Gedanken. Ich bin zur Austria zurückgekommen um etwas zu erreichen und um mich durchzusetzen. 1 ½ Jahre sind noch eine lange Zeit, aber ich kann mir einen Verbleib bei der Austria schon vorstellen, denn für einen Austrianer gibt es nichts schöneres, als in Österreich für die Austria zu spielen (lacht).

LV: Verdienen Fussballer zuviel Geld?

(Franz Gruber sagt sofort „ In Österreich nicht“). Meiner Meinung nach gehört viel dazu, ein Fussballprofi zu sein. Wenn es einmal nicht so gut läuft, wird man von den Medien stark kritisiert, auch die Fans können dann protestieren oder auch einmal den Bus bewerfen. Es ist auch viel Arbeit ein Profi zu sein, man muss viel Selbstdisziplin haben, wir können nicht einfach feiern gehen am Wochenende und deshalb glaube ich nicht, dass die Fussballer überbezahlt sind, überhaupt in Österreich nicht. Es gibt sehr viele Leute, die Fussballbegeistert sind und wir sind die Hauptdarsteller dafür und von uns hängt es dann auch ab, ob die Leute glücklich oder traurig sind.

LV: Was sind deine persönlichen Ziele in dieser Saison und was kann man als Mannschaft realistisch gesehen erreichen?

Ich will mich kurzfristig gesehen bei der Austria durchsetzen und gute Leistungen bringen. Der Sprung ist Ausland ist natürlich ein Wunsch von mir, aber ich konzentriere mich jetzt voll und ganz auf die Austria. Unsere Mannschaft hat viel Qualität, dass sieht man, wenn man unsere Bank ansieht, wie viele gute Spieler dort sitzen und die Qualität nicht verloren geht, wenn der Trainer auswechselt. Diesen Vorzug haben mittlerweile schon einige Mannschaften in Österreich, aber wir können ganz weit vorne spielen. Red Bull Salzburg hat eben viel Geld und wohl den besten Kader, aber es besteht die Chance, dass wir heuer einen Titel nach Favoriten holen.

LV: Dein Spitzname ist Grüni in der Mannschaft. Eher unpassend bei einen Violetten Verein in Wien, oder?

Das habe ich schon öfters gehört (grinst). Umtaufen kann ich mich leider nicht lassen. Aber ich muss mich vielleicht in Violetti umbenennen lassen (grinst)

LV: Die Stimmung in der Mannschaft sollte hervorragend sein, wer ist der größte Spaßvogel im Team und wer eher der ruhigere?

Es gibt schon 2-3 Spaßvögel bei uns, die immer für einen Scherz zu haben sind. Namen nenne ich aber keine. Andere sind dann etwas mehr introvertiert, aber die Mischung in der Mannschaft passt. Und ich kann dir sagen, dass der Spaß bei uns sicherlich nicht zu kurz kommt. Ich selbst bin so Mittelding.

LV: Bist du mit deiner Karriere bis jetzt zufrieden, oder würdest du heute etwas anders machen?

Ich bin ein Mensch, der sich nicht so leicht zufrieden gibt, aber wie es bist gelaufen ist, wenn man meine ganzen Verletzungen in Betracht zieht wo es nicht so rosig für mich war, bin ich jetzt schon sehr froh, dass ich ein Profifussballer bin und bei der Austria spielen darf. Vielleicht hätte ich damals bei der Austria bleiben können und ich hätte nicht nach Neustadt wechseln müssen, doch das war meine größte Entscheidung bis jetzt und im Nachhinein war es der beste Schritt den ich damals hätte machen können. Und die besten Jahre liegen ja noch vor mir.

LV: Was sind deine Hobbys abseits des Fussballfeldes?

Ich bin ein sehr sportbegeisterter Mensch. Im Sommer spiele ich gerne Beachvolleyball im Strandbad. Ich bin viel am Wörthersee als Kärntner, da fahre ich auch immer hin, wenn ich Zeit habe, denn dort sind meine Freunde und die sind mir sehr wichtig und diese Kontakte pflege ich sehr.

LV: Was sind für dich generell absolute No Gos?

Ein unehrlicher Mensch, der dich ins Gesicht anlügt oder einen Vertrauensbruch begeht, das sind die schlimmsten Sachen, die ein Mensch meiner Meinung nach tun kann.

LV: Wie nimmst du die Fanszene in Österreich war und welches Bild geben für dich die Austria Fans ab?

Ich Österreich gibt es leider nicht viele Vereine, die eine Fankultur besitzen, eine Kurve haben wo die Fans richtig hinter der Mannschaft stehen. Am letzten Sonntag habt man beim Derby gesehen, wie motivierend das sein kann, wenn die ganze Ost hinter dir steht und dich richtig supported. Ich war in Neustadt, wo es gerade am Anfang eine Zeit gab, wo wir Spieler keine Unterstützung bekamen, deshalb kann ich die Fanszene bei der Austria sehr schätzen.

LV: Was waren deine Jugendsünden?

Ich würde alles wieder so machen, wie es gemacht habe

LV: Messi oder Ronaldo?

Ronaldo

LV: Gibt es Persönlichkeiten im Fussball die du sehr schätzt oder die du sehr verachtest? Wenn ja, wer und warum?

Mein Vorbild war Zinedin Zidan, sein Spielstil war einfach unglaublich. Wenn man heutzutage Messi und Ronaldo ansieht, die können mit dem Ball alles, spielen aber ganz vorne. Zidane war in der Mitte und das war magisch, wie er gespielt hat. Ich habe vor kurzen das Finale von 2000 wieder gesehen und es hat mir einfach sehr imponiert. So auf die Schnelle fällt mir jetzt aber niemand ein, den ich verachte.

LV: Was ist deine ehrliche Meinung zu Kommerzklubs wie Red Bull, Hoffenheim und Co.?

Ich habe selbst 3 Jahre bei so einem Verein gespielt. Man muss das akzeptieren, dass es Sponsoren gibt, die Vereine aus den Nichts aus dem Boden stampfen und dafür muss man Respekt zollen. Aber im Endeffekt hat ein Kommerzverein auf langer Sicht keine große Chance ein richtig großer Verein zu werden, weil hier einfach die Unterstützung der Außenwelt, genauer gesagt den Fans, fehlt.

LV: Was war bis jetzt dein größtes Highlight in deinem Leben?
Mein Highlight ist eindeutig meine Familie. Die steht immer hinter mir und mit meiner Familie kann ich über alles reden. Mein Bruder ist vor kurzen Vater geworden, deshalb bin ich jetzt ein Onkel und die Familie ist das Wichtigste für mich. Tore sind natürlich auch immer etwas schönes, mein persönliches Highlight war das 3:2 gegen Salzburg in der Nachspielzeit, das war bis jetzt das schönste Tor in meiner Karriere.

LV: Wenn du kein Fussballer geworden wärst, dann würdest du heutzutage was machen?

Dann würde ich jetzt ein Student sein

LV: Beschreibe dich mit einem Wort

zuverlässig

LV: Wie weit geht für dich „Fanservice“?  Gibt es auch aufdringliche Fans oder genießt du die Zeit, die du mit Fans verbringen kannst?

Ich habe immer ein offenes Ohr für die Fans und stelle mich gerne zur Verfügung, so wie dieses Interview hier, was wir gerade führen. Natürlich gibt es auch Schattenseiten, wo man kritisiert und beschimpft wird von Leuten, die man persönlich gar nicht kennt. Wenn es dann persönlich wird, ist das für mich ein absolutes No Go.

LV: Wenn du es dir aussuchen könntest, mit wem würdest du gerne das Leben tauschen und warum?

Die Frage stellt sich mir nicht. Ich bin mit meinen Leben sehr zufrieden und das würde ich niemals eintauschen. So wie mein Leben läuft, passt für mich alles. Ich kann Fussball spielen, Privat ist auch alles in Ordnung bei mir und ich sehe keinen Grund, warum ich mit irgendjemanden tauschen sollte. Rein Fußballtechnisch würde ich mit Ronaldo tauschen (lacht). Ich würde mich auch mit Sergio Ramos zufrieden geben, der sieht auch gut aus (lacht).

LV: Gibt es etwas, was du uns Lungauer Veilchen noch sagen willst?

Natürlich freut es mich, dass ihr immer zu den Spielen kommt um uns zu unterstützen. Ihr habt schon einmal aus dem Auto meinen Namen geschrien, daran kann ich mich erinnern. Mich freut es jedenfalls, dass ihr hinter uns steht.

LV: Ich bedanke mich für die Zeit und wünsche viel Glück morgen in der Südstadt!