INTERVIEW MIT NIKLAS HOHENEDER

09.02.2011
Die Winterpause ist vorüber und auch die Lungauer Veilchen in Person von Hungry sind aus dem Winterschlaf erwacht. Als erstes stellte sich Neuzugang Niklas Hoheneder zur Verfügung um die Fragen der Lungauer Veilchen zu beantworten. Nach dem Training kam Niklas ins Viola Pub und erzählte in einem drei Stunden Gespräch vieles über seine Erfahrung, seinem Wechsel, seinem Privatleben und warum er zur Austria gewechselst ist.
Hungry: Willkommen im violetten Dress Niklas. Wir sind alle froh, dass du bei uns bist. Wie fühlst du dich über den Wechsel?
Niklas Hoheneder: Sehr gut. Ich fühle mich sehr wohl wegen dem Wechsel. Ich freue mich sehr, dass es gleich im Winter geklappt hat. Die Laune in Prag war schon sehr weit unten wegen den letzten zwei Monaten, wo ich meinen Stammplatz bei Sparta verloren gehabt habe. Der Anruf von Trainer Daxbacher hat dann alles geändert. Meine Laune ist sofort von 0 auf 100 gestiegen und es hat mich sehr gefreut, dass alles so gut geklappt hat.
Hungry: Die Zeit der Eingewöhnung war kurz. Bist du schon bereit für einen Platz in der Stammelf?
Niklas Hoheneder: Ja bin ich!!! Ich warte nur mehr drauf. Ich habe in Prag meinen Stammplatz verloren und bin bereit, dass ich wieder spiele. Wenn ich die Chance bekomme von Anfang an zu spielen, dann werde ich diese nützen. Bin so richtig heiß drauf.
Hungry: Du kennst die österreichische Liga sehr gut aus deiner Zeit beim LASK. Nun hast dich bei Sparta Prag weiterentwickelt. Findest du, dass das Niveau der österreichischen Liga gestiegen ist oder stagnieren wir in Österreich?
Niklas Hoheneder: Das Niveau ist sicher gestiegen. Man hat das zum Beispiel in der Europa League letzte Saison gesehen, wo vier Vereine in der Gruppenphase waren. So hat sich Österreich wieder einen Namen gemacht. Ich habe die Bundesliga auch verfolgt. Die Zusammenfassungen von jeder Runde habe ich mir angeschaut und ich bin der Meinung, dass die Liga immer besser wird. Ich glaube, dass sie in den nächsten Jahren noch viel stärker werden wird, wie sie jetzt ist.
Hungry: Willst du durch den Wechsel zur Austria dich noch mal fürs Ausland empfehlen oder könntest du dir auch jetzt schon vorstellen, länger bei der Austria zu sein?
Niklas Hoheneder: Ich könnte mir das sehr gut vorstellen, dass ich länger bei der Austria bleibe. Die Auslandserfahrung habe ich jetzt schon, aber jetzt bin ich bei der Austria. Dieser Verein hat in Europa bereits einen gewissen Namen und ist in Österreich eine Topmannschaft. Ein Rückschritt war dieser Wechsel auf gar keinen Fall. Ich will jetzt länger konstant spielen und mich Saison für Saison steigern. Sollten dann ein Auslandsangebot eintreffen, müssen wir darüber reden, denn das Ausland ist immer ein interessantes Thema. Aber ich würde auch sehr gerne bei der Austria bleiben. Meine Freundin wohnt hier in Wien, die Stadt ist sehr schön und ich könnte mir wirklich vorstellen langfristig hier zu bleiben.
Hungry: Bei uns wirst du die Position als Innenverteidiger einnehmen. Du hast gerade in Prag öfters als Defensiver Mittelfeldspieler gespielt. Würdest du lieber in der Innenverteidigung spielen oder doch lieber im Mittelfeld, falls vielleicht ein Baumgartlinger verkauft wird?
Niklas Hoheneder: Nein, definitiv Innenverteidiger!!! Ich habe zwar viele und sehr gute Spiele im Mittelfeld bei Sparta gemacht und dort habe ich viel gelernt. Im Mittelfeld muss man ruhiger mit dem Ball umgehen, mehr Übersicht haben und auch das Spiel nach vorne mit lenken. Diese Erfahrungen helfen mir sicher auch sehr gut in der Innenverteidigung, aber ich bin von der Austria als Innenverteidiger verpflichtet worden und möchte auch gerne nur diese Position bekleiden, denn da fühle ich mich am wohlsten.
Hungry: Warum hast du dich für die Austria entschieden?
Niklas Hoheneder: Die Austria hat sich sehr um mich bemüht. Mir war klar, dass wenn ich nach Österreich zurück wechsle, dann nur nach Wien. Meine Freundin wohnt hier und ich mag die Stadt sehr. Außerdem mag ich nicht in Linz, Salzburg oder Graz leben. Damals als ich vom LASK zu Sparta gewechselt bin, war Rapid sehr stark an mir interessiert. Damals wollte ich aber unbedingt nach Prag. Danach ist der Kontakt abgebrochen und jetzt war klar, dass wenn ich nach Österreich zurück komme, ich nur zur Austria wechseln werde.
Hungry: Dein Wechsel zur Austria ging ja sehr schnell über die Bühne. Erzähl mal, wie das genau abgelaufen ist?
Niklas Hoheneder: Ich habe es sehr gehofft, dass ich im Winter wechseln kann. Ich wusste, dass Dragovic seinen Vertrag nicht verlängern wird und im Sommer die Austria verlassen wird. Es wurde eigentlich schon alles so vereinbart, dass ich erst im Sommer zur Austria wechseln werde. In dieser Hinsicht war schon alles von meinem Berater geregelt und ich fuhr aufs Trainingslager mit Sparta. Dann kam plötzlich der Anruf von Trainer Daxbacher, dass Dragovic bereits gewechselt ist und ob ich im Winter schon zur Austria kommen will. Ich wollte das natürlich sofort, bin nach Wien gefahren und der Rest war nur mehr Formsache. Sparta war damit einverstanden, dass ich wechseln kann und jetzt bin ich derzeit ausgeliehen mit einer Kaufoption im Sommer und hoffe doch stark, dass diese gezogen wird.
Hungry: Das Frühjahr steht vor der Tür. Was erwartest du dir vom Frühjahr und was glaubst du können wir alles noch erreichen
Niklas Hoheneder: Von mir selbst erwarte ich, dass ich mir einen Stammplatz erarbeite. Ich gebe im Trainig jetzt so richtig Vollgas dafür. Ich verspüre auch einen großen Druck, da ich der Dragovic Ersatz bin und er ist ein sehr guter Fussballer. Aber mit diesem Druck muss ich klar kommen und für mich ist die Austria ganz klar die spielstärkste Mannschaft in Österreich und so ist auch der Meistertitel drinnen. Und das die Austria im Cup gut ist, das weiß man (lacht) und Austria Lustenau müssen wir daheim ganz klar schlagen.
Hungry: Gibt es unterschiede zwischen dem Training bei der Austria und das in Prag?
Niklas Hoheneder: Die Vorbereitung bei der Austria habe ich noch nicht mitgemacht, aber die Austria kann das von Sparta sicher nicht topen, das war unmenschlich. Wir sind eine Woche lang ins Hochgebirge gefahren und hatten dort vier Mal täglich ein Training. In der früh bist du über eine Stunde im Tiefschnee gelaufen, danach ging es in die Kraftkammer. Nach einer kurzen Pause mussten wir eine Skistrecke dem Berg hinaufgehen, dann eine weile Langlaufen. Haben wir das geschafft, gab es noch Springen und Stretchen. Bei so einen Trainingslager machst du nur das Training, bist dann komplett erledigt und fällst ins Bett. Da willst du nicht einmal mehr was essen. Dadurch ist die Moral der Spieler sehr gesunken und alle waren heiß auf den Trainer. So haben sich die Spieler zusammengeschworen und gegen den Trainer gearbeitet. Aber das ist jetzt nicht mehr mein Problem. Das Training von Daxbacher gefällt mir sehr, ich kenne das noch aus meiner Linz Zeit. Er lässt alles mit dem Ball trainieren und das gefällt mir. Wenn man immer mit dem Ball spielt, dann lernt man mit dem Ball umzugehen, bekommt den Überblick und Spielverständnis und genau das trainiert man bei der Austria. In Prag ging es fast immer nur um Taktik und fast gar nichts mit dem Ball. Und immer Laufwege einzustudieren wurde mit der Zeit auch recht langweilig.
Hungry: Erzähl uns was von deiner Zeit im Ausland. Ist es wirklich so, dass man als österreichischer Spieler als Antikicker zählt und allen erst beweisen muss, dass man was auf dem Kasten hat, oder wie sieht es dort aus?
Niklas Hoheneder: Meine tschechischen Mitspieler haben gar nicht verstanden, warum ich nach Prag gewechselt bin. In Tschechien hat die österreichische Liga einen sehr guten Namen. Zum Beispiel ein Sionko hat immer für gute Schlagzeigen in Tschechen gesorgt, als er bei der Austria war. Deshalb haben mich viele gefragt, warum ich nicht in Österreich geblieben bin. Aber ich war beim LASK und nicht bei einer Austria. Wäre ich damals schon hier gewesen, wäre ich nicht nach Prag gewechselt. Also als Antikicker zählen wir in Tschechien jedenfalls gar nicht. Sparta wollte mich damals unbedingt haben und wegen der Erfahrung bin ich dann nach Prag gewechselt. Aber nochmals, unsere Liga hat dort ein hohes Ansehen.
Hungry: Auf was freust du dich am meisten bei der Austria?
Niklas Hoheneder: Ich habe viele Freunde in dieser Mannschaft. Ich habe zum Beispiel einen Heinz Lindner eingeschossen, als wir klein waren. Wir haben fast nebeneinander gewohnt. Ich freue mich auch sehr, dass ich wieder mit meinem Firmpaten Florian Klein zusammenspielen kann. Ich kenne hier fast alle. Aber ich freue mich auch speziell, mit einem Ortlechner oder einen Liendl zu spielen. Die kenn ich zwar bereits, konnte aber noch nie mit denen in einer Mannschaft spielen. Und natürlich freue ich mich generell auf das Spielen und auf das Erfolgreich sein mit der Mannschaft.
Hungry: Wenn du Präsident der Wiener Austria sein würdest, was würdest du verändern?
Niklas Hoheneder: Das ist schwierig. Ich kann jetzt nur utopische Sachen sagen. Ich weiß nicht, was man hier ändern könnte oder überhaupt sollte. Aber wenn ich hier jetzt Präsident wäre, dann würde ich sicher ein Spielerpräsident sein (grinst).
Hungry: Welcher Verein ist weltweit dein liebster und wo würdest du gerne einmal spielen?
Niklas Hoheneder: Barcelona (zeigt ganz stolz seinen Barcelona Schlüsselanhänger her). Den habe ich immer bei mir. Das ist einfach eine Wahnsinnsmannschaft. Der Beste ist für mich Xavi und Messi macht fast immer ein Tor.
Hungry: Was wäre dein Wunschgegner für das 100 Jahr Jubiläum?
Niklas Hoheneder: Barcelona (lacht), aber das wäre dann eine Hinrichtung der schlimmsten Sorte. Aber es wäre ein Wahnsinn gegen diese Topspieler einmal spielen zu dürfen. Damals beim LASK hatten wir ja Real Madrid als Gegner, da hat es mich aber einen Tag vorher das Fieber erwischt, deshalb konnte ich nicht spielen. Da hat mich meine Freundin gefragt, ob ich darüber traurig bin und ich habe ihr erklärt, dass es nur ein Freundschaftsspiel ist und ich erst dann gegen Real spiele, wenn es wichtig ist (lacht).
Hungry: Was treibt ein Niklas Hoheneder Privat?
Niklas Hoheneder: Wenn ich in Wien etwas unternehme, dann meist mit meiner Freundin. Sie studiert Schauspiel und muss für ihre Ausbildung viele Filme oder Theaterstücke ansehen. Das habe ich lieben gelernt und genieße es mittlerweile auch sehr. Das machen wir sehr oft und wir gehen auch sicher zwei bis dreimal die Woche am Abend essen. Das ist mir recht wichtig. Aber ich muss mich jetzt erst einmal in Wien einleben, denn die Stadt hat viel zu bieten. Ich freue mich auch darauf mit meinen Kollegen etwas zu unternehmen. Denn wir hier sind nicht nur Kollegen sondern auch Freunde und werden sicher einiges unternehmen.
Hungry: Was wolltest du als Kind werden?
Niklas Hoheneder: Als ich ganz klein war, wollte ich Polizist werden, weil es mein Papa war. Ich habe aber relativ früh mit dem Fussballspielen angefangen und dann wollte ich immer Profi werden. Ansonsten wollte ich etwas mit Tieren machen, ich liebe Pinguine, deshalb hätte ich Pinguinzüchter auch sehr interessiert. Derzeit habe ich eine Patenschaft für einen Pinguin in Südafrika, das sind einfach meine Lieblingstiere.
Hungry: Wie läuft ein Tag eines Fussballprofis in Violett ab?
Niklas Hoheneder: Derweil ist es sehr stressig, weil ich daheim sehr viel zu tun habe. Ich freue mich aber auf jedes Training, das war bei Sparta am Schluss nicht mehr der Fall. Da bist du einfach auf das Training gegangen und hast es gemacht. Aber jetzt freue ich mich schon so darauf, dass ich schon immer früher weg fahre, weil ich es nicht erwarten kann (lacht). Also Sutti (Anm: Markus Suttner ist der Kassa Verantwortliche der Austria und sammelt das Geld ab für die Strafen ab, zum Beispiel „zu spät kommen“) wird von mir kein Geld sehen. Und wenn ich abends heim komme ist meine Freundin da. Das ist einfach ein ganz neues Lebensgefühl. Ich muss halt noch viele Sachen in Wien anmelden oder ummelden, aber das wird sich bald legen.
Hungry: Bist du ein Partylöwe oder eher ein Homechiller?
Niklas Hoheneder: Eher zweites. Früher in Linz, als ich so ca. 20 Jahre war, sah es anders aus. Da war ich viel mit Freunden unterwegs. Aber in Prag war ich alleine, da hatte ich keine Lust etwas zu unternehmen. Da war ich entweder beim Training oder daheim. Und jetzt bin ich bei meiner Freundin und da verbringe ich die Freizeit mehr mit mir und bleibe auch gerne zu Hause.
Hungry: Beschreibe dich mit einem Wort
Niklas Hoheneder: Freund
Hungry: Sind die Fussballer überzahlt?
Niklas Hoheneder: Ja. Weil wenn ich mir ansehe, was andere Leute arbeiten müssen um über die Runden zu kommen, manchmal sogar zwei Jobs machen müssen, dann sind wir Fussballer eindeutig überbezahlt, denn wir leisten nicht soviel wie die anderen Leute. Wir spielen Fussball und begeistern zwar die Leute, aber die Gagen sind teilweise schon sehr weit überzogen. Aber ich denke, dass es in dieser Hinsicht noch lange kein Ende geben wird, wie in Amerika, wo es ein Gehaltslimit für die Spieler gibt. Im Fussball steckt soviel Geld und deshalb wird auch vieles ausgegeben.
Hungry: Was haltest du von Spielermanager und was haltest du von der Aussage, dass die Manager den Fussball zerstören?
Niklas Hoheneder: Entscheiden tut immer der Spieler alleine. Ich habe keinen Manager, ich habe einen Berater. Das sage ich immer gerne, weil er mich berät und ich dann entscheiden muss. Es kann mir kein Manager sagen, wohin ich wechseln sollte. Ich weiß, dass sie mit mir Geld verdienen wollen, doch entscheiden tut noch immer alles der Spieler und somit machen die Berater auch den Fussball nicht kaputt. Wenn ein Spieler zu leichtgläubig ist und alles seinem Berater glaubt und dann eine falsche Entscheidung getroffen hat, ist für mich der Spieler selbst schuld, da die Entscheidungsgewalt noch immer bei dem Spieler selbst liegt.
Hungry: Was haltest du von den Korruption Vorwürfen bei der FIFA?
Niklas Hoheneder: Na ja, es war schon sehr merkwürdig wie Katar und Russland die WM bekommen haben. Ich hätte Australien gerne die Chance gegeben. Vor Jahren hatten die mal eine Olympia und seit dem nichts mehr. Aber ich will hier jetzt nichts zu den Korruptionsvorwürfen sagen, aber es war merkwürdig, wie das ganze über die Bühne ging.
Hungry: Was würdest du als deine schlimmste Jugendsünde bezeichnen?
Niklas Hoheneder: Ich war relativ brav. Ich stehe zu allen Dingen die ich gemacht habe und schämen tu ich mich auch für nichts. Also große Sünden habe ich in meinem Leben noch nicht begangen.
Hungry: Willst du uns salzburgerischen Austria Wien Fanatikern noch etwas sagen?
Niklas Hoheneder: Ich freue mich sehr auf die Zeit bei der Austria und hoffe, dass wir gemeinsam viele Erfolge feiern können.
Hungry: Vielen Dank Niklas