INTERVIEW MIT MICHAEL LIENDL

20.09.2010
Nachdem Cup Double Feature am Wochenende blieb Hungry von den Lungauer Veilchen in Wien um einige Interviews mit den Spielern zu führen. Am Montag stellten sich Michael Liendl und Robert Almer den Fragen der Salzburger FAK Fans. Nachdem Nachmittagstraining traf man sich im Pub, wo zuerst Michael Liendl interviewt wurde und danach Robert Almer. In einer netten und lustigen Athmosphäre nahmen sich beide Spieler die Zeit, die Fragen sehr ausführlich zu beantworten und luden Hungry mit den zwei "Mitbringsel" von dem Pazzo Violettas (Deepviola und Witti) auf die Getränke ein. Hier das Interview mit Michael Liendl:
Hungry: Wie war die Rückkehr zu der Heimstätte in Schirmitz, wo damals deine Karriere begonnen hat?
Michael Liendl: Meine Karriere hat eigentlich beim GAK in Graz begonnen. Bei den Kapfenberg Amateuren, die in Schirmitz spielen war ich nicht so oft im Einsatz. Aber auch wenn ich dort nicht oft gespielt habe, war es schön dort wieder zurück zu kehren und auch zu gewinnen.
Hungry: Wie würdest du deine bisherige Laufbahn beurteilen?
Michael Liendl: Bis jetzt finde ich, habe ich eine sehr gute Entwicklung gemacht, obwohl keiner geglaubt hat, dass ich das schaffe. Ich denke sehr positiv an meine bisherige Laufbahn zurück, aber ich bin noch lange nicht am Ende angekommen.
Hungry: Siehst du dich schon als fertiger Spieler, oder bist du noch in der Lernphase?
Michael Liendl: Nein, fertig bin ich noch lange nicht. Ich finde, man kann immer etwas dazu lernen, deshalb haben wir auch das Training, sonst wäre das sinnlos.
Hungry: Durch das Ausscheiden von Milenko Acimovic hast du nun kampflos dein Stammleiberl erhalten. Was bedeutet die neue Situation nun für dich?
Michael Liendl: Nein, kampflos habe ich den Stammplatz nicht erhalten. Ich würde auch nicht sagen, dass ich einen Stammplatz habe. Es können auch noch andere Spieler auf dieser Position spielen. Allerdings wäre Milenko fit gewesen, wäre ich sicher nicht so oft zum spielen gekommen. Aber es gibt schon 1-2 Spieler, die meine Position abdecken könnten.
Hungry: Derzeit rennst du deiner Form im Frühjahr etwas hinterher. Warst du im Frühjahr über deinen Niveau oder hast du derzeit einfach nur ein Formtief?
Michael Liendl: Nein, über meinem Niveau habe ich sicher nicht gespielt. Die Leistung hat immer mit der Form von einem selbst und auch von der ganzen Mannschaft zu tun. Es kann schon sein, dass es manchmal vorkommt, dass man nicht so gut spielt, aber ich weiß was ich kann und ich werde meine Leistung auch wieder steigern und auf das Niveau vom Frühjahr kommen.
Hungry: Wie wohl fühlst du dich bei der Austria und wie lang könntest du dir vorstellen, in Favoriten zu spielen?
Michael Liendl: In Wien und bei der Austria fühle ich mich sehr wohl. Es gefällt mir hier so richtig gut. Im Sommer läuft mein Vertrag aus und man wird sehen, was dann passiert. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ich meinen Vertrag hier verlängere, aber es liegt nicht nur an mir. Aber ich könnte mir es sehr gut vorstellen.
Hungry: In Kapfenberg warst du ein guter Torschütze und noch besserer Assistgeber. Würdest du sagen, dass du den Durchbruch bei der Austria geschafft hast oder kannst du dich noch in Sachen Torgefahr verbessern?
Michael Liendl: Hier kann und muss ich mich noch verbessern. Ich bin ein offensiver Mittelfeldspieler und muss eine gewisse Anzahl von Toren schießen. In diesem Bereich muss ich mich sicher noch verbessern.
Hungry: Du hattest die Ehre an deinem Geburtstag zu spielen, ein Tor zu schießen und von den Fans während und nach dem Spiel ein Ständchen zu bekommen. Wie hast du dich damals gefühlt?
Michael Liendl: Ja, das war ein Wahnsinn. Das war der schönste Moment in meiner bisherigen Karriere. Nicht jeder schießt an seinem Geburtstag ein Tor und kriegt dann so lautstark ein Ständchen von tausenden von Fans. Das war ein unbeschreibliches Gefühl
Hungry: Hast du übrigens gewusst, dass du der erste warst, der von den Ostfans ein Ständchen bekommen hat?
Michael Liendl: (wird leicht rot) Nein, das wusste ich nicht. Das ist das noch eine größere Ehre.
Hungry: Und du hast gelächelt vor dem Freistoß, als hättest du schon gewusst, dass du treffen wirst
Michael Liendl: Richtig, weil wir uns nicht sicher waren, wer den Freistoß schießen wird und als ich durfte, habe ich mich gefreut. Umso schöner, dass der Ball ins Tor gegangen ist
Hungry: Und das ohne Schnick Schnack Schnuck
Michael Liendl: (lacht) Richtig, das kam erst später
Hungry: Das 100 Jahr Jubiläum steht an, was würdest du dir für diese Feierlichkeiten wünschen?.
Michael Liendl: Ich wünsche mir einen mächtigen Gegner. Es kursieren ja schon Gerüchte herum, wer zum Jubiläum kommen wird. Barcelona oder Manchester United wäre schon ein Traum.
Hungry: Das erste Video ist im Internet aufgetaucht von den Studioaufnahmen für den 100 Jahr Song der Austria. Wie war es, diese doch etwas ungewöhnliche Erfahrung für einen Fußballer zu machen?
Michael Liendl: Das war schon eine witzige Erfahrung, weil man etwas anders kennenlernt. Es war auch sehr interessant in einem Tonstudio zu stehen und mit Kopfhörer einmal andere Anweisungen zu bekommen. Gesanglich können wir uns noch verbessern (lacht) und Milenko hat sich mit dem Deutsch auch sehr schwer getan, denn er singt ein Solo. Ich bin gespannt, was am Ende rauskommt und ob da noch viel von unseren nicht so guten Gesang übrig ist, aber ich glaube, das Lied wird sehr gut. Es war jedenfalls ein sehr amüsanter Tag für uns alle.
Hungry: Bei deinem Wechsel zur Austria wurdest du oft belächelt, dass du dich bei der Austria nicht durchsetzen kannst. Im Frühjahr hast du das Gegenteil bewiesen. Wie war die Situation für dich, dass gerade die Medien nicht an dich glaubten?
Michael Liendl: Ja, das Problem habe ich witzigerweise schon lange, dass mir die Medien nichts zu trauen. Ich weiß auch nicht warum, vielleicht bin ich denen irgendwie unsympathisch. Ich wusste allerdings, dass es bei der Austria schwer werden wird, sich durchzusetzen. Doch ich weiß auch, was meine Qualitäten sind, ich habe daran geglaubt und auch daran gearbeitet und bin froh, dass ich mich hier beweisen konnte.
Hungry: Derzeit bist du im linken Mittelfeld so gut wie Konkurrenzlos. Doch die Austria möchte im Winter jemanden verpflichten nachdem Abgang von Milenko. Befürchtest du, dass du durch eine starke Neuverpflichtung deinen Stammplatz verlieren könntest?
Michael Liendl: Nein hab ich nicht. Und was heißt Stammplatz, bei uns hat keiner einen Stammplatz, weil wir einen sehr guten und starken Kaden haben. Ich habe damit überhaupt kein Problem, wenn der Verein jemanden verpflichtet sollte, denn wenn ich meine Leistung bringe, dann werde ich auch zu meinen Spielen kommen.
Hungry: Wie sieht ein Tagesablauf von Michael Liendl außerhalb des Fußballplatzes aus?
Michael Liendl: Derzeit ist meine Freundin bei mir, die sonst in Graz wohnt. Wenn Sie da ist, versuchen wir natürlich den Tag so zu gestalten, dass wir uns Wien ansehen um die Stadt etwas besser kennen zu lernen.
Hungry: Wie sehen deine langfristigen Ziele in deiner Fussballkarriere aus?
Michael Liendl: Im Fußball langfristig zu planen ist schwer. Mein Ziel war es, mich bei der Austria zu beweisen und Stammspieler zu werden, was ich derzeit geschafft habe. Irgendwann will ich natürlich auch einmal im Ausland spielen, ich kann mir allerdings auch sehr gut vorstellen, bei der Austria zu bleiben, denn die Austria ist eine Topadresse.
Hungry: Es stehen nun ganz wichtige Spiele in der Meisterschaft an. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft und wie glaubst du, werden wir abschneiden?
Michael Liendl: Die Stimmung in der Mannschaft ist gerade nach dem Derbysieg sehr gut. Dieser Sieg war gerade mental für uns sehr wichtig und auch im Cup sind wie souverän und ohne Probleme weitergekommen. Wir sind sehr positiv eingestimmt auf die kommenden Spiele und schlagen wir am Mittwoch Salzburg, dann sieht es für uns sehr gut aus.
Hungry: Welche Jugendsünden hast du zu bieten?
Michael Liendl: Jugendsünden?
Hungry: Ja, ich zum Beispiel habe mir mal eine David Hasselhoff CD gekauft
Michael Liendl: Ja, das ist eine Jugendsünde (lacht). Also ich habe einmal geraucht. Damals als ich ungefähr 13 Jahre alt war und rauchen cool war, habe ich geraucht. Aber der Sport war mir dann doch wichtiger und ich habe es dann wieder gelassen.
Hungry: Beschreibe dich mit einem Wort
Michael Liendl: Mit einem Wort?
Robert Almer im Hintergrund: Selbstverliebt? (grinst)
Michael Liendl: (lacht) Nein, ich würde sagen Lebemensch.
Hungry: Was war dein Kindheitstraum?
Michael Liendl: Fußballer zu werden
Hungry: Was ist deine Lieblingsmusik, Lieblingsfilme und Lieblingsseiten im Internet
Michael Liendl: Also bei der Musik gefällt mir der Austropop sehr gut. Gute Filme gibt es viele, aber der letzte Mohikaner war ein sehr guter Film. Im Internet habe ich keine Lieblingsseite.
Hungry: Gibt es noch etwas, was zu uns salzburgerischen Austria Wien Fans sagen willst?
Michael Liendl: Ja. Wir werden am Mittwoch drei Punkte für euch holen!!!
Hungry: Danke fürs Gespräch
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