INTERVIEW MIT PATRICK SALOMON

10.02.2011
Der Frühjahrsstart nähert sich immer weiter und zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Ried stellten sich Fabian Koch und Patrick Salomon den Fragen der Lungauer Veilchen. Nach dem Training kamen beide ins Viola Pub und beantworteten alle Fragen mit Ruhe und sehr ausführlich. Hier das Interview des Playstationsüchtigen Wieners:
Hungry: Deine Testspielform war sehr beeindruckend. Rechnest du damit, im Frühjahr mehr Einsatzzeit zu bekommen?
Patrick Salomon: Ja. Ich habe natürlich im Training jetzt richtig Gas geben und habe mich jetzt besser in der Mannschaft eingefügt. Ich hoffe schon, dass ich jetzt mehr Einsatzzeit bekommen werde. Ich bin schließlich nicht zur Austria gekommen um auf der Bank oder auf der Tribüne zu sitzen.
Hungry: Mit welchen Hoffnungen bist du zur Austria zurück gekehrt?
Patrick Salomon: Ich wollte mir damit einen Traum erfüllen und in der Bundesliga spielen. Dafür trainiert man jeden Tag, damit man das schafft. Das war der erste Schritt und nun muss ich den nächsten machen und mich in der Mannschaft etablieren.
Hungry: Ein Michi Liendl hat auch ein halbes Jahr gebraucht, um sich bei der Austria durchzusetzen und einen Stammplatz zu ergattern. Wirst du das nach deinem Gefühl auch schaffen?
Patrick Salomon: Das ist nicht so einfach. Ich bin von der zweiten Liga gekommen und da muss man sich erst auf die Bundesliga einstellen. Ich hoffe nicht, dass der Michi (Anm. Liendl) sich verletzt, wie damals Milenko. Aber ich habe Geduld. Es gibt Spieler, die brauchen oft drei Jahre, bis sie sich plötzlich durchsetzen. Ich bin kein Spieler, der nach einem halben Jahr oder nach 10 Monaten das Handtuch wirft, weil er es noch nicht geschafft hat. Im Fussball muss man auch manchmal Geduld haben.
Hungry: Der Druck auf deiner Position ist stark. Auch von den Amateuren kommt schon einiges nach. Wie gehst du damit um?
Patrick Salomon: Das ist ganz normal. Ich denke, dass man bei jedem Verein einen gewissen Druck hat, egal wo man spielt. Das ist auch nichts Schlechtes. Wenn man keinen Druck hat, dann würde es starke Formschwankungen geben.
Hungry: Gibt es große Unterschiede zwischen der Ersten Liga und der Bundesliga?
Patrick Salomon: Ja, die Qualität. Die einfachen Sachen wie das Passspiel, die Ballannahme und auch das Tempo sind viel höher. Kämpfen und Laufen kann jeder, aber es kommt auf die Kleinigkeiten an, wie die Genauigkeit und die Präzision. Das ist schon ganz anders wie in der zweiten Liga.
Hungry: Du wurdest schon relativ früh verpflichtet in der letzten Saison. Wie lief das genau ab?
Patrick Salomon: Es hat schon erste Gespräche im Sommer 2009 gegeben. Da hatte ich aber noch ein Jahr Vertrag bei Austria Lustenau und die wollten mich nicht gehen lassen. Der Kontakt blieb aber aufrecht und in dem Augenblick, wo es die FIFA Statuen zuließen, haben wir den Wechsel sehr schnell und auf früh über die Bühne gebracht.
Hungry: Was sind deine langfristigen Ziele als Profispieler?
Patrick Salomon: Langfristige Ziele habe ich keine. Ich versuche ein Ziel nach dem anderen zu erledigen. Ich bin von der Jugend bei der Austria in die Wiener Liga gegangen, von dort in die Regionalliga, von dort wieder in die Erste Liga und jetzt bin ich in der Bundesliga. Das nächste Ziel ist, dass ich Stammspieler in der Bundesliga werde und dann werde ich mir das nächste Ziel setzen. Ich bin kein Typ, der sagt, dass ich in 10 Jahren das und das erreicht haben muss. Ich mache alles Schritt für Schritt.
Hungry: Wie geht Daxbacher mit Spielern um, die nicht zur ersten Garde gehören?
Patrick Salomon: Unser Trainer ist ein sehr ruhiger Mensch. Er geht sicher mit allen Spielern gleich um, egal ob erste Garde oder zweite Garde. Es ist sowieso jeder Spieler für sich selbst verantwortlich. Im Training musst du dich behaupten und ich finde, dass er damit sehr korrekt mit uns Spielern umgeht.
Hungry: Wie empfindest du die Fans der Wiener Austria?
Patrick Salomon: Ich kenne die Fans der Austria schon lange, ich bin ja hier in Wien aufgewachsen. Er hat sich sehr viel getan in den letzten Jahren. Früher war auf der Fanbasis nur Rapid gut, aber in der letzten Zeit haben sich die Fans der Austria sehr gut entwickelt. Es kommen immer mehr ins Stadion und es freut mich, das alles hier in die richtige Richtung geht.
Hungry: Was gefällt dir besser, die große Stadt Wien oder das Ländle?
Patrick Salomon: Ich bin nicht umsonst vom Ländle wieder nach Wien nach Hause gekommen (lacht). Im Ländle ist es viel ruhiger, aber es wird schnell relativ langweilig. Jeden Tag kannst du nur das Gleiche machen. Schlafen, Training, Schlafen, Training, dann mal zum Billa gehen, dann wieder schlafen und trainieren. Hier in Wien kannst du viele verschiedene Dinge unternehmen und das ist viel mehr Abwechslung.
Hungry: Wie lange könntest du dir vorstellen, das violette Dress zu tragen?
Patrick Salomon: Wenn ich mich hier etablieren kann und wenn ich regelmäßig zum Einsatz komme, dann kann ich mir vorstellen, sehr lange hier bei der Austria zu bleiben. Die Austria ist ein Superklub und ich bin ein Wiener. Hier habe ich alles, spiele bei einem tollen Klub, habe meine Freunde hier und meine Familie. Wenn das alles passt, kann das eine lange violette Karriere werden.
Hungry: Du hast auch schon bei den Amas gespielt. Welche Unterschiede gibt es zwischen Vastic und Daxbacher?
Patrick Salomon: Man merkt schon, dass Ivo ein sehr kreativer Spieler war. Das will er auch seinen Spielern vermitteln. Daxbacher war ein typischer Sechser. Er versucht zwar das One Touch System immer weiterzuentwickeln, aber der Zweikampf ist bei ihm einer der wichtigsten Punkte.
Hungry: Was können wir nach deiner Ansicht nach im Frühjahr noch erreichen?
Patrick Salomon: Sehr viel. Im Cup sind wir noch dabei und auch in der Meisterschaft sind wir voll im rennen. Wenn wir gleich das erste Spiel gegen Ried gewinnen, dann sieht es sehr gut aus. Man hat es im letzten Jahr gesehen, wie schnell es gehen kann. Es liegt an uns, wenn wir daheim die Spiele endlich wieder gewinnen, dann kann sich der Teller schon ausgehen.
Hungry: Im Cup wartet dein Ex Verein auf uns. Was glaubst du wird bei dieser Cuppartie auf uns zu kommen?
Patrick Salomon: Mich hat wegen der Auslosung auch schon der Präsident von Austria Lustenau angerufen. Er findet es sehr schade, dass das Spiel nicht in Lustenau statt finden wird. Aber wir dürfen die Lustenauer nicht unterschätzen. Die können laufen, kämpfen und auch nicht so schlecht Fussball spielen. Man sieht es im Cup öfters, auch in andere Länder, dass zum Beispiel Real Madrid gegen eine kleinere Mannschaft ausscheiden kann. Wir müssen das Spiel so ernst nehmen, als wäre es ein Derby.
Hungry: Laut deine Aussage in einem Interview hattest du in Lustenau nur deine Playstation und die Mannschaft. Wie sieht deine Freizeitgestaltung in Wien aus?
Patrick Salomon: Na ja, jetzt habe ich die Playstation und meine Freundin (lacht). Nein, im ernst. Ich habe hier in Wien viele Freude, die in untere Ligen spielen. Ich treffe mich mit denen sehr gerne, gehe etwas trinken und unternehme einfach was mit ihnen, wie ein normaler Mann eben.
Hungry: Wo würdest du gerne einmal spielen, wenn du es dir aussuchen könntest?
Patrick Salomon: Juventus Turin
Hungry: Wer wäre dein Lieblingsgegner für das 100 Jahr Jubiläum?
Patrick Salomon: Ich finde, eine All Stars Mannschaft wäre eine gute Idee, wo die Stars der Neunziger oder so mitspielen. Vielleicht auch noch Internationale Spieler. Ein Barcelona oder ein Real Madrid werden überall eingeladen, aber ein All Stars Team mit Prohaska, Ogris, Pfeffer Toni und so weiter wäre schon eine sehr interessante Partie.
Hungry: Wie siehst du die Entwicklung des österreichischen Fussballs?
Patrick Salomon: Ist aufsteigend. Obwohl wir gestern das Spiel gegen Holland mit 3:1 verloren haben, aber wir haben 7 Punkte in der Qualifikation und sind dort gut im Rennen. Auch die Jugendteams sind sehr gut unterwegs. Wir haben im Sommer gegen die U19 gespielt, da waren einige 16 jährige dabei und die waren sehr gut unterwegs. Wir sind vielleicht auch bald soweit wie die Schweiz, denn die sind uns einen Schritt voraus. Klubmäßig haben wir mit der Austria, Salzburg, Rapid und Sturm doch einige Mannschaften, die auf Europa League Niveau sind. Aber man sieht es an Salzburg. In der einen Saison gewinnen sie alle Spiele und ein Jahr später kein einziges. Es kann sich im Fussball soviel so schnell ändern. Aber hoffen wir, dass im nächsten Jahr sich wieder alle Teams qualifizieren können und wir uns weiter verbessern können.
Hungry: Beschreibe dich mit einem Wort
Patrick Salomon: Interessant
Hungry: Welche Macken hat ein Patrick Salomon?
Patrick Salomon: Meine Fingernägel (lacht). Ich rauch nicht, ich trinke wenig, aber ich beiße auf die Fingernägel herum.
Hungry: Gibt es noch etwas, was du uns salzburgerischen Austria Wien Fanatikern sagen möchtest?
Patrick Salomon: Ihr habt euch für das richtige Violett entschieden.
Hungry: Danke fürs Gespräch, Patrick