INTERVIEW MIT MARKUS SUTTNER

30.06.2010 in Zell am See / Trainingslager

Im Zeichen des Trainigslager 2010 in Flachau, beim Spiel gegen Dinamo Bukarest, erklärte sich der sympatische Linksverteidiger Markus Suttner dazu bereit, den Lungauer Veilchen ihre Fragen zu beantworten. Im etwas zügigen Tempo, da Sutti zum bereits gefüllten Mannschaftsbus musste, beantwortete er trotzdem jede Frage sehr ausführlich. Hier das Interview:

Hungry: Du hast dich durch die ganze Jugendabteilung der Austria durchgekämpft und den Sprung in die Kampfmannschaft geschafft. Wie schätzt du selbst deine Leistungen ein, hast du noch Luft nach oben und gibt es irgendetwas, mit dem du nicht ganz an dir zufrieden bist?

Markus Suttner: Ja, ich habe noch Luft nach oben. In der Offensive bin ich noch nicht so gut, wie ich will, besonders meine Torgefährlichkeit muss ich steigern. So wie du es mir am Sonntag gesagt hast, muss ich öfters schießen, aber ich kriege die Gelegenheit zu selten dafür. Außerdem muss ich meinen rechten Fuß etwas besser ins Spiel bekommen. Mit der letzten Saison bin ich nicht ganz zufrieden, sie war OK, doch es geht noch besser bei mir.

Hungry: Das Jubiläumsjahr steht uns bevor. Was erwartest du dir von dieser besonderen Saison und wo glaubst du werden wir in den drei Bewerben (Meisterschaft, Cup, Euro League) landen?

Markus Suttner: In der Meisterschaft ist es klar. Wir wollen Meister werden. Es ist die Jubiläumssaison und da kann das Ziel nur der Meister sein, wir werden alles Mögliche dafür tun. In der Euro League wollen wir wieder in die Gruppenphase kommen und im Cup so weit wie möglich.

Hungry: Du hast ja ebenfalls ein Eigengewächs als Konkurrent, Marin Leovac. Wie geht ihr beiden mit dieser Situation um, dass ihr beide euch um den einen Platz streiten müsst?

Markus Suttner: Ich mag Leo, wir beide verstehen uns sehr gut. Zwischen uns gibt es nicht so etwas wie Neid oder Hass, wenn der andere spielt. Das ist eine Trainerentscheidung. Natürlich bin ich enttäuscht, wenn ich nicht spiele, aber ich werde auch nicht in die 15 Jahren, wo ich Fußball spielen werde, immer auf dem Platz stehen. Man muss auch damit umgehen können, einmal nicht zu spielen.

Hungry: Du kennst die Jugendarbeit bei der Austria sehr gut. Was könnte man daran noch verbessern?

Markus Suttner: Damals als ich in der Jugend war, musste ich in Hollabrunn in die Akademie gehen. Das war nicht so toll. Da wäre die Nähe zur Kampfmannschaft schon besser gewesen. Aber das hat sich mit der Akademie nun geändert, was ich sehr toll finde. Es tut gut, wenn man gute junge Spieler in der Akademie hat und es ist auch wichtig für den Nachwuchs, dass sie sehen, dass man sich auch als Junger in die Kampfmannschaft spielen kann. Also aktuell ist alles perfekt in der Jugendarbeit, Sportlich wie mit der Infrastruktur, denn sportlich war die Austria in der Ausbildung schon immer Top

Hungry: Wie wichtig findest du, dass die Austria sehr viel in letzter Zeit in die Infrastruktur gesteckt hat. Stichwort Trainingsplätze, Osttribüne, Akademie, Pub usw.?

Markus Suttner: Wie ich schon gesagt habe, ist die Akademie ganz was Wichtiges. Jetzt trainieren alle Mannschaften in der Nähe und das ist besonders wichtig für die jungen Spieler. Auch die restliche Infrastruktur der Austria ist mittlerweile Top! Derzeit kann ich nur sagen, dass ich es perfekt finde.

Hungry: Welcher Weg ist dir im Fußball sympathischer? Der jetzige Weg der Wiener Austria mit vielen jungen österreichischen Talenten, wo auch viel auf Tradition wert gelegt wird, oder der Weg unter Magna/Red Bull mit einem Big Boss und dafür viel mehr Geld?

Markus Suttner: Sympathischer ist mir natürlich der Weg der Austria.  Mit den jungen Spielern entwickelt man auch einen Spirit und ein gutes Teamfeeling. Allerdings ist Fußball auch unser Job und wir haben auch nur wenige Jahre um damit wirklich Geld zu verdienen. Wenn man dann nicht ins Ausland kann, dann gehen gewisse Spieler zu Red Bull, damit sie dort eine Menge Geld verdienen.

Hungry: Wie wichtig ist für dich Tradition im Fußball?

Markus Suttner: Super wichtig. Ich bin schon ewig ein Austria Wien Fan, es war immer mein Traum, einmal ein Austria Spieler zu sein, was ich geschafft habe. Ich will mit der Austria viel erreichen und auch durch die Austria den Sprung ins Ausland schaffen. Ich habe diesen Verein sehr viel zu verdanken

Hungry: Wie wichtig ist für dich das Geld im Fußball?

Markus Suttner: Man sollte Spaß am Fußball haben, dass ist das wichtigste. Es bringt dir nichts, wenn du viel Geld verdienst, aber nie spielst. Jeder Fußballer will spielen. Aber natürlich ist Geld auch etwas wichtiges, man spielt vielleicht bis 35, dann ist Schluss. Bis dahin hat man die Möglichkeit im Fußball viel Geld zu verdienen. Man muss hier ein Mittelmaß finden, zwischen Spieleinsätzen und Gehalt. Alles in allem ist Geld wichtig, aber nicht das Wichtigste

Hungry: Was bedeutet für dich der FK Austria Wien?

Markus Suttner: Das ist für mich eine Herzensangelegenheit. Seit der U14 spiele ich bei der Austria. Der Verein hat viel Tradition und ist auch mein Arbeitgeber. Ich bin Fan dieses Klubs und man könnte sagen, ich bin ein echtes Veilchen.

Hungry: Ist es für dich vorstellbar in Österreich bei einem anderen Verein als bei der Austria zu spielen?

Markus Suttner: Wenn mir die Austria einen ewigen Vertrag anbietet, werde ich ihn unterschreiben (lacht). Also, so lange mich die Austria haben will, werde ich natürlich für diesen Verein spielen. Sollte sie mich irgendwann nicht mehr wollen, dann muss ich mir einen anderen Klub suchen, aber da würde ich das Ausland vorziehen.

Hungry: Aber würdest du den Verein innerhalb Österreichs wechseln, wenn die Austria dir einen Vertrag anbieten, so wie es bei Fränky Schiemer war ?

Markus Suttner: Das hätte ich eigentlich nicht vor (lacht)

Hungry: Mit welchen Spielern im Team kommst du besonders gut zurecht und wie findest du die Neuzugänge?

Markus Suttner: Am besten komme ich mit Robert Almer aus, er ist auch Privat ein sehr guter Freund von mir. Im Allgemeinen komme ich mit allen sehr gut aus. Es sind viele Junge dabei, dadurch gibt es auch keine Gruppenbildungen. Wir sind ein Team und halten zusammen. Es gibt keinen im kompletten Team, wo ich sagen würde, den mag ich nicht so gerne. Und zu den Neuzugängen, ich finde, dass alle eine echte Verstärkung fürs Team sind und ich hoffe, sie schießen uns zum Meistertitel

Hungry: Was ist deine ehrliche Meinung? Koch/Bodner verpflichten oder auf Klein/Vorisek setzen als RV?

Markus Suttner: Es ist so, dass wir keinen allzu großen Kader haben. Flo (Anm: Klein) und Vorisek spielen den Rechtsverteidiger sehr gut. Aber was ist wenn Stankovic ausfällt, dann muss Flo ins Mittelfeld und wenn wir mit zwei Sechsern spielen, so wie heute, dann brauchen wir auch dort ein Backup. Also würde ich es nicht schlecht finden, wenn wir jemanden verpflichten würden.

Hungry: Und wer wäre dir lieber? Fabian Koch oder Laszlo Bodner?

Markus Suttner: Zu Koch muss ich ehrlich sagen, dass ich fast nichts von ihm weiß. Ich habe nur gehört, dass er bei Innsbruck groß aufgespielt hat zuletzt, aber ich habe ihn selbst noch nie gesehen. Bodner hingegen kenne ich natürlich gut aus der Zeit, wo er in Salzburg gespielt hat. Er wäre natürlich eine sehr gute Verpflichtung. Seine Einwürfe und seine Flanken sind sehr gefährlich. Ich würde mich über diese Verpflichtung sehr freuen. Aber von Koch kann ich leider kein Urteil abgeben

Hungry: Wer ist für dich persönlich Favorit auf die Nummer 1 im Tor?

Markus Suttner: Oh Mann. Das ist eine schwere Frage. Ich hoffe natürlich auf Robert Almer, obwohl ich das eher nicht glaube

Hungry: Beim Aufwärmen vor dem Spiel, im Training - öfters sieht man dich ganz vorne, als "Anführer" vom Team. Siehst du in dir möglicher weise einen zukünftigen Kapitän?

Markus Suttner: (lacht) Es ist eigentlich so, dass keiner vorne laufen will, das ist für die Spieler eine Qual. Mir ist es eigentlich „wuarscht“ und deshalb laufe ich immer vorne rein. Denn irgendwer muss ja schließlich vorne laufen. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ich in 1-2 Jahre die Kapitänsschleife tragen dürfte.

Hungry: Wo liegen die Unterschiede zwischen Milenko Acimovic und Jocelyn Blanchard in der Kapitänsrolle?

Markus Suttner: Das sind zwei ganz verschiedene Typen. Mile (Anm. Acimovic) ist ein sehr ruhiger Typ. Er lässt auch viel die älteren Österreicher sprechen, was letzte Saison Standfest und Hattenberger waren. Er sagt schon oft genug auch was zu uns, aber alles im ruhigeren Stil. Jocy (Anm. Blanchard) hat öfters was gesagt und wurde manchmal auch laut. Aber Mile ist wie gesagt, der ruhigere Typ

Hungry: Was hältst du von Karl Daxbacher, seinem Spielsytem und seinem Training?

Markus Suttner: Ich bin mit dem 4-4-2 System aufgewachsen und kann damit auch sehr gut umgehen. Bei einem Trainer zählt nur der Erfolg und den haben wir derzeit. Beim Training ist Daxbacher sehr Match Situationsbezogen, was für eine Weiterentwicklung im Spiel natürlich sehr wichtig ist. Er fördert auch die jungen Spieler, was auch sehr wichtig ist und auch gut für die Zukunft des Vereines ist.

Hungry: Wie empfindest du die Stimmung im Team?

Markus Suttner: Super, einfach klasse. Erstens sind viele Österreicher im Team und es wird fast nur Deutsch gesprochen. Wir haben keine fünf Sprachen im Team, was sehr wichtig ist. Zweitens haben wir sehr viel Junge im Team, was uns zu einer eingeschworenen Truppe gemacht hat. Das Training macht Spaß, die Stimmung ist sehr super. Wir sind eben ein Team.

Hungry: Wärst du Präsident der Wiener Austria, was würdest du ändern?

Markus Suttner: (lacht) Das weiß ich nicht! Hier traue ich mir nichts zu sagen. Ich habe zu wenig Einblicke in die Arbeit von Herrn Katzian und weiß auch nicht, was gerade am laufen ist. Hier würde ich mal sagen, lassen wir den Präsidenten Präsident sein.

Hungry: Was treibt ein Markus Suttner privat?

Markus Suttner: Meine Freizeit verbringe ich hauptsächlich mit meiner Freundin. Sie ist Lehrerin in einem Gymnasium und deshalb ist es leider oft so, wenn ich heim komme, geht sie weg und umgekehrt. Deshalb versuchen wir unsere Freizeit miteinander zu verbringen. Da gehen wir dann Shoppen, in ein Kaffeehaus, gehen irgendwo hin essen oder schauen uns einen Film im Kino an.

Hungry: Was würdest du heute sein, wenn du kein Fußballer geworden wärst?

Markus Suttner: Computertechniker oder Elektriker. Für die technischen Sachen habe ich mich schon immer sehr interessiert.

Hungry: Beschreibe dich mit einem Wort?

Markus Suttner: Stehaufmännchen

Hungry: Wie sieht dein langfristiges Ziel als Fussballer aus? (Nationalteam, Ausland …)

Markus Suttner: Ich habe Vertrag bis 2012 bei der Austria und noch eine Option auf 2013. Da bin ich dann 26 Jahre alt. In den nächsten Jahren würde ich gerne den Sprung ins Nationalteam schaffen und so 2012 oder 2013 ins Ausland wechseln. Aber ich will nicht ins Ausland wechseln, um im Ausland gespielt zu haben. Es muss ein lukratives Angebot sein, wo ich spielen kann. Ich muss in keine Topliga oder zu seinem Topverein. Es ist zum Beispiel auch die zweite deutsche Bundesliga sehr interessant. Es muss einfach das Gesamtkonzept passen. Ich will spielen, denn ich will Spaß am Fußball haben, da ist das Geld nicht immer das Wichtigste.

Hungry: Gibt es etwas, was du uns Austria Wien Fans aus Salzburg noch sagen willst?

 
Markus Suttner: Ich finde es Super, dass es Austria Wien Fans in Salzburg gibt. Ich hoffe, ihr besucht weiterhin unsere Spiele und unterstützt uns so gut wie es geht, damit wir hoffentlich zum Jubiläum auch den Meister feiern können

Hungry: Vielen Dank für das Interview, Markus